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Brauereistadt Kassel
  [4 pics] begonnen von arktika am 04.09.2025  | 4 Antworten
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NEUES THEMA04.09.2025, 22:39 Uhr
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arktika

• Brauereistadt Kassel ... und vorbei. Nur die Erinnerung bleibt. Und auch wenn es KasselĂ€nerInnen nicht gerne hören, Martini war ein Scheiß-Bier - aber im Hessenlande nicht mal eines der schlechtesten. Es ging noch weit schlimmer!

Die große ErnĂŒchterung: Der Niedergang des Braugewerbes in Kassel

Nach der angekĂŒndigten Abwicklung der HĂŒtt-Brauerei blicken wir auf die Geschichte der Kasseler Brauereien.


In der Stadt Kassel wird seit ĂŒber 600 Jahren Bier gebraut. Über die Jahrhunderte gab es Dutzende Brauereibetriebe – viele davon mit einem Hausschank in der angeschlossenen GaststĂ€tte. Ein Vertrieb fĂŒr das GebrĂ€u entwickelte sich erst spĂ€ter. Weil mit der HĂŒtt-Brauerei die letzte große Biermarke im Raum Kassel verschwindet, blicken wir auf diese bierseligen Zeiten zurĂŒck.

Nach Recherchen des Kasseler Historikers Christian Presche stammen die ersten Belege zum Bierbrauen in der Stadt Kassel aus dem Jahr 1395. „Nur wer in Kassel ansĂ€ssig war, durfte Bier ausschenken, fremde Biere durften nur zum eigenen Verbrauch eingefĂŒhrt werden“, so Presche.

An dem Bierdurst der Kasseler verdiente der Landgraf krĂ€ftig mit. Es waren Abgaben fĂŒrs Brauen und die Rohstoffe (Malz) zu entrichten. Zudem galten im mittelalterlichen Kassel (ab Ende des 15. Jahrhunderts) Preisobergrenzen fĂŒrs Bier. Dessen QualitĂ€t muss aber sehr durchwachsen gewesen sein. „In den umliegenden StĂ€dtchen wurde besser gebraut. 1575 erließ Landgraf Wilhelm IV. daher eine erste Bierordnung“, berichtet der Historiker. Darin wurden etwa Mindestmengen fĂŒr Gerste und Malz vorgeschrieben und die Zugabe von Hafer verboten. Aber weder QualitĂ€t noch QuantitĂ€t entwickelten sich zufriedenstellend. Deshalb erließ Wilhelm IV. die nĂ€chste Brauordnung, weil in Kassel „gar schlechte und unduchtige“ Biere gebraut wĂŒrden, außerdem zu wenig, sodass der Bedarf ĂŒber Importe gedeckt wurde. Um dies zu unterbinden, verfĂŒgte er, dass in Kassel nur noch Kasseler Bier ausgeschenkt und getrunken werden durfte.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich eine vielfÀltige Brauerei-Kultur in Kassel etabliert. Auch die QualitÀt des Bieres war nun so gut, dass es sogar exportiert wurde. 19 Brauereien waren zu dieser Zeit im Stadtgebiet tÀtig. Dabei hatte Kassel seinerzeit nicht einmal 40.000 Einwohner.

Die von Adolf Kropf 1859 eröffnete „Bayrische Bierhalle“ an der Mittelgasse stehe beispielhaft dafĂŒr, dass die alten Brauereien jeweils mit einer eigenen GaststĂ€tte verbunden waren, so Presche. Wegen der NĂ€he zur Martinskirche entstand deren Biermarke „Martini“. Daneben gab es zahlreiche Familienbetriebe, darunter Eissengarthen, Losch, Wentzell, Hahnenkamm und Krauß. „Weil es noch keinen modernen Vertrieb gab, waren die GasthĂ€user noch viel stĂ€rker Treffpunkte, auch fĂŒr zahlreiche Stammtische“, so der Historiker. SpĂ€ter kam es zu ZusammenschlĂŒssen. Die 1895 an der Hafenstraße gegrĂŒndete Herkules-Brauerei geht auf die Brauereien Losch und Wentzell zurĂŒck. SpĂ€ter schlossen sich weitere Gasthaus-Brauereien dieser an.

Um das Bier kĂŒhl zu lagern, wurden dafĂŒr ab 1830 zunehmend Felskeller genutzt. In vielen FĂ€llen befanden sich ĂŒber den Kellern Ausflugslokale – wie etwa am Kratzenberg an der Kölnischen Straße oder auf dem Weinberg und dem Möncheberg. WĂ€hrend es fĂŒr Frauen nicht sittsam gewesen sei, GaststĂ€tten zu besuchen, hĂ€tten sich diese BiergĂ€rten zu beliebten Ausflugsorten fĂŒr Familien und weibliches Publikum etabliert, so Presche.


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NEUER BEITRAG04.09.2025, 22:42 Uhr
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arktika

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Weil der Bierdurst der Kasseler nicht allein durch Kasseler Produktion gestillt werden konnte, wurde zunehmend importiert. Der grĂ¶ĂŸte Teil des Importbieres entstammte seinerzeit nicht der KnallhĂŒtte, sondern der Hessischen Actien-Brauerei in Wehlheiden. Der heutige Stadtteil wurde erst 1899 eingemeindet. Die Actien-Brauerei sollte 1912 von der Herkules-Brauerei geschluckt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ereilte die 1874 gegrĂŒndete Schöfferhof-Brauerei an der Rothenditmolder BrĂŒcke das gleiche Schicksal.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich das Braugewerbe in Kassel immer stĂ€rker auf die beiden expandierenden Brauereien Kropf (Martini) an der Kölnischen Straße und die Herkules-Brauerei an der Hafenstraße. Mit jĂ€hrlich bis zu 250.000 Hektolitern gebrautem Bier zĂ€hlte die Martini-Brauerei bundesweit zu den grĂ¶ĂŸeren Regionalmarken. 1985 versuchte Kropf sogar auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Ohne nachhaltigen Erfolg. Mit dem sinkenden Bierabsatz wurde der Familienbetrieb Kropf schließlich 1992 von der Henninger-BrĂ€u AG ĂŒbernommen. 1997 gab es mit der Einbecker Brauhaus AG einen weiteren EigentĂŒmerwechsel. 2016 wurde der Betrieb nach ĂŒber 150 Jahren endgĂŒltig geschlossen.

Die Herkules-Brauerei war bereits 1972 von der Frankfurter Brauerei Binding ĂŒbernommen worden. Diese gab den Kasseler Standort 1999 auf. Das heute noch bekannte „Schöfferhofer Weizen“ ist damit das letzte Überbleibsel aus der Kasseler Bierherstellung. 1999 wurde die Produktion der letzten Kasseler Biermarke zu Binding nach Frankfurt verlagert. Inzwischen wird das Weizen in Dortmund gebraut. Bis heute erinnert die Schöfferhofstraße in Kassel an den frĂŒheren Brauort.


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NEUER BEITRAG04.09.2025, 22:59 Uhr
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arktika

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Diese Brauereien produzieren noch

Wenn die HĂŒtt-Brauerei in acht Wochen ihren Betrieb einstellt, hinterlĂ€sst sie eine große LĂŒcke. Denn nach der Schließung der Martini-Brauerei und der Binding-Brauerei (frĂŒher Herkules) gibt es auch im direkten Umland von Kassel keine grĂ¶ĂŸere Brauerei mehr. Wir zeigen, wo noch in der Region gebraut wird und in welchem Umfang.

Einbecker Brauhaus AG

Jahresproduktion: 504.000 Hektoliter
125 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 1967

Brauerei Friedrich Haaß in Treysa
Jahresproduktion: 8500 Hektoliter
15 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 1820

DombrÀu 1880 in Fritzlar
Jahresproduktion: keine Angaben
35 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 2003

Borkener HofbrÀu
Jahresproduktion: 0,5 Hektoliter (kleinste Brauerei Hessens)
1,5 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 2020

FuldabrĂŒcker Landbrauerei
Jahresproduktion: 800 Hektoliter
2 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 1995

Schinkels Brauhaus in Witzenhausen
Jahresproduktion: 6000 Hektoliter
30 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 1997

Ratsbrauhaus Hann. MĂŒnden

Jahresproduktion: 250 Hektoliter
1 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 2003

Biermanufaktur Rotenburg
Jahresproduktion: 350 Hektoliter
7 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 2017

Eschweger Klosterbrauerei
Jahresproduktion: keine Angaben
29 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 1839

Braumanufaktur Steckenpferd Kassel
Jahresproduktion: 350 Hektoliter
3 Mitarbeiter
GrĂŒndung: 2015

Von Bastian Ludwig am 4. Sept. in der HNA unter Link ...jetzt anmelden!

#Bier
#Kassel
#Brauerei
#Brauereien
#Brauereisterben
#Hessen

... und davon sind nicht mal alle in Hessen. Zudem sind einige davon auch nix anderes als Wohnzimmer- bzw. Garagenbrauereien (s. die Zahlen der Angestellten!), also nicht wirklich als 'Brauerei' ernstzunehmen.
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NEUER BEITRAG22.12.2025, 18:17 Uhr
Nutzer / in
arktika

Brauereistadt Kassel Zum ersten, zum zweiten ... und zum dritten: ==> VERKAUFT!

Resumée:
Die Biere bleiben unverÀndert, aber der Standort wird aufgegeben. Die Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

Von Sven KĂŒhling am 13. November in der HNA:

HĂŒtt-Brauerei verkauft – Rheder ĂŒbernimmt

Frank BettenhĂ€user verkauft die HĂŒtt-Brauerei an die Schlossbrauerei Rheder. Die Biere bleiben unverĂ€ndert, aber der Standort wird aufgegeben. Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

Baunatal - Die Zukunft der HĂŒtt-Brauerei ist entschieden. Frank BettenhĂ€user (69), Inhaber und GeschĂ€ftsfĂŒhrer des nordhessischen Traditionsunternehmens teilt mit, dass die Rezepte und LiefervertrĂ€ge der Marken HĂŒtt und Hessisches Löwenbier an die Schlossbrauerei Rheder in Brakel (Nordrhein-Westfalen) verkauft werden.

„Alle Fans, Kunden, Gastronomie- und Handelspartner können auch weiterhin auf ihre Traditionsbiere setzen. Die Schlossbrauerei Rheder wird die Produktion der Markenbiere HĂŒtt und Hessische Löwen nach den Originalrezepten fortsetzen“, heißt es in einer Pressemitteilung von BettenhĂ€user. Um 14 Uhr will der Brauereichef im Brauhaus KnallhĂŒtte ĂŒber den Verkauf informieren.

Der HĂŒtt-Standort bei Baunatal-Rengershausen (Kreis Kassel) soll laut der Mitteilung aufgegeben werden, alle rund 40 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

„Mit Rheder haben wir die beste Lösung gefunden. Eine, wie wir, handwerkliche mittelstĂ€ndische Brauerei mit regionaler NĂ€he, die die Marken HÜTT und Hessische Löwen nach unseren Originalrezepturen zukĂŒnftig weiterhin brauen wird“, so BettenhĂ€user in der Pressemitteilung. „Der gute persönliche Draht und die Gewissheit, dass man wirklich an den Marken interessiert ist, hat mir die Entscheidung erleichtert.“

Jens-Uwe Göke (49), EigentĂŒmer der Schlossbrauerei Rheder und EigentĂŒmer des 4-Sterne Hotels Schloss Gehrden wird in der Mitteilung so zitiert: „Die HĂŒtt-Brauerei und unsere Schlossbrauerei Rheder verbindet die intensive Pflege der klassischen handwerklichen Braukunst, die zu Bieren mit hoher QualitĂ€t und individuellen Geschmacksrichtungen fĂŒhren. Die Biere der HĂŒtt-Brauerei ergĂ€nzen unser Sortiment exzellent und sorgen auch fĂŒr eine signifikant höhere Auslastung unserer ProduktionskapazitĂ€ten. HĂŒtt und Hessische Löwen sind herausragende Biere, die wir gerne nach Originalrezept brauen. Wir danken Herrn BettenhĂ€user fĂŒr das Vertrauen, die Tradition seiner Familie weiterfĂŒhren zu dĂŒrfen.“


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#Huett
NEUER BEITRAG22.12.2025, 20:49 Uhr
EDIT: FPeregrin
22.12.2025, 21:00 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Brauereistadt Kassel "„Alle Fans, Kunden, Gastronomie- und Handelspartner können auch weiterhin auf ihre Traditionsbiere setzen. Die Schlossbrauerei Rheder wird die Produktion der Markenbiere HĂŒtt und Hessische Löwen nach den Originalrezepten fortsetzen“, heißt es in einer Pressemitteilung von BettenhĂ€user."

"HĂŒtt und Hessische Löwen sind herausragende Biere, die wir gerne nach Originalrezept brauen."

Das sind die "Narrative", die zu jeder BiermarkenĂŒbernahme in die Welt posaunt werden und deren tatsĂ€chlicher Inhalt anzugeben ist mit: "Die Etiketten blieben (fast) gleich; der geneigte Bierdimpfel habe sich damit zu bescheiden!" - Man kann schlicht kein Bierrezept einem anderen Wasser aufpflanzen und das gleiche erhalten wie vorher. Sinnvollerweise baut man ein Bierrezept auf dem Bestandteil auf, an dem man am wenigsten Ă€ndern kann, dem lokalen Wasser. Man kann allerdings in Zweifel ziehen, daß im Brauereigewerbe dieser Binsenweisheit ĂŒberhaupt eine relevante WĂŒrdigung zukommt. DafĂŒr muß man nicht einmal bis nach Hessen fahren; es reicht die Kenntnisnahme der hiervon erschĂŒtterndes Zeugnis ablegenden gescheiterten Versuche, auf kalkigem Wasser ein "norddeutsch-herbes" Pils zu bauen. Ich will niemanden in seine Abendkaltschale spucken und erwĂ€hne deshalb als Beispiel nur das verdient abgelebt habende "Göttinger Edel-Pils" unseligen Angedenkens, dessen Label verstĂ€ndlicherweise niemand weitergefĂŒhrt hat. Andererseits: Die gleichzeitigen Sorten aus selbigem Hause "Göttinger Pilsener" und "Göttinger Leichtes Dunkel" waren sehr gut; man wußte weiland also doch ganz gut, wie es geht ...! - Kundenverarschung ist das halbe GeschĂ€ft der kapitalistischen Warenproduktion.
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