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NEUES THEMA24.07.2024, 18:54 Uhr
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FPeregrin

• Militarismus als "öffentliches Gut" tp heute:

AufrĂŒstung vs. Demokratie: Wie Militarismus zum öffentlichen Gut erklĂ€rt wird

24. Juli 2024 Peter Nowak

Was gibt es fĂŒr wen in einem gespaltenen, kaputt gesparten Land zu verteidigen? Das Wording bestimmt die Wahrnehmung. Sollte es aber nicht. Ein Kommentar.

"Wenn das die Zukunft der Demokratie ist, dann gute Nacht" – so reagierte Boris Pistorius (SPD), den man ohne Polemik als Kriegsminister bezeichnen kann, auf Proteste wĂ€hrend eines Wahlkampfauftritts vor einigen Tagen in Leipzig. Sie richteten sich hauptsĂ€chlich gegen die militaristische Zeitenwende in Deutschland, die mit einem autoritĂ€ren Staatsumbau und einem ebenso autoritĂ€ren StaatsverstĂ€ndnis einhergeht. Letzteres hat Pistorius mit dem oben erwĂ€hnten Satz auf den Punkt gebracht.

Denn tatsĂ€chlich steht es um die Zukunft einer Demokratie besser, wenn es möglich ist, auch den Mitgliedern der Bundesregierung wie allen anderen Akteuren lautstark den eigenen Unwillen ins Gesicht zu sagen. Sorgen muss man sich eher ĂŒber das autoritĂ€re StaatsverstĂ€ndnis eines Ministers machen, der angesichts solcher Proteste das Ende der Demokratie kommen sieht.

Proteste gegen Bundeswehr-Gelöbnisse gestern und heute

Dabei waren Proteste gegen die Militarisierung der Gesellschaft in Deutschland noch vor 20 Jahren viel stĂ€rker. Angefangen bei den massiven Protesten gegen die Gelöbnisse in Berlin rund um den 20. Juli, den Jahrestag des Hitler-Attentats. FĂŒr mehrere Jahre war das Brimborium ein wichtiges Datum des Gelöbnix-ProtestbĂŒndnisses.

Auch damals wurde nicht das militaristische Zeremoniell, sondern der Protest dagegen als Ende der Demokratie diffamiert. Heute gibt es immerhin noch Adbusting-Aktionen gegen die Bundeswehr und ihre Rituale. Dazu wurden satirische Plakate verwendet.

Wenn AufrĂŒstung zum öffentlichen Gut erklĂ€rt wird

Dass Proteste gegen die Militarisierung heute kleiner sind, liegt auch an der offiziellen Sprachpolitik. Da wird nicht mehr von AufrĂŒstung geredet, sondern von Verteidigung, die ja ein Grundrecht sei, erklĂ€rte unlĂ€ngst der Professor fĂŒr Volkswirtschaftslehre Tobias Börger in der taz, deren Leserinnen und Leser sich zum Teil noch daran erinnern, dass die Zeitung einmal auch deswegen gegrĂŒndet wurde, um ein Forum gegen den Militarismus zu schaffen.

Börger ist Mitherausgeber einer Studie mit dem Titel "Der Wert von Sicherheit und nationaler Verteidigung". Schon durch die Überschrift wird deutlich, dass es hier darum geht, die militaristische Zeitenwende zu flankieren. Dazu dient auch die Sprache, was nun nicht besonders neu ist.

Schon in den 1980er Jahre kritisierten AKW-Gegner, dass die AKW-Betreiber mit Begriffen wie Kernkraft oder Entsorgungspark semantisch dafĂŒr sorgen wollten, dass ihre Produkte eher mit Entspannung als einer potentiell tödlichen Technologie verbunden werden. Daher sollte der Begriff "Atom", der doch sehr stark an die tödliche Bombe erinnert, möglichst vermieden werden . Der positiv besetzte Begriff der öffentlichen GĂŒter

Genau so werden heute in der Semantik Begriffe wie Krieg und MilitĂ€r durch positiv besetzte Wörter wie Sicherheit und Verteidigung ersetzt, die dann zum öffentlichen Gut erklĂ€rt werden. Dieser Begriff ist auch in den sozialen Bewegungen positiv gesetzt. Als öffentliche GĂŒter werden Dienstleistungen definiert, die fĂŒr alle Menschen lebensnotwendig sind. Dazu gehören Gesundheit, Wohnen, Carearbeit. Diese öffentlichen GĂŒter sollen fĂŒr alle Menschen zugĂ€nglich sein, unabhĂ€ngig von ihrem Geldbeutel.

DafĂŒr sollen auch öffentliche Gelder ausgegeben werden. Nur: Genau dieses Geld ist meistens nicht vorhanden, wenn es nach den Vorstellungen der neoliberalen Wirtschaftspolitik geht, der sich mindestens der FDP-Wirtschaftsminister Christian Lindner verpflichtet fĂŒhlt. Also wird an allen Ecken und Enden bei diesen öffentlichen GĂŒtern gekĂŒrzt – dafĂŒr wird fieberhaft nach Wegen gesucht, wie trotz der Schuldenbremse weiter Gelder fĂŒr die AufrĂŒstung locker gemacht werden können.

Bessere FreibĂ€der statt AufrĂŒstung

Das fĂŒhrt zu Unmut, wie ihn in einer taz-Kolumne kĂŒrzlich Kersten Augustin am Beispiel der schlecht bewirtschafteten FreibĂ€der in Deutschland ausdrĂŒckte. Nachdem Augustin sehr anschaulich die Probleme beschrieben hat, seinen Sohn ein Zertifikat zu beschaffen, das ihm Schwimmkenntnisse bescheinigt, kommt er zu dem Schluss: "Wenn es heißt, die deutsche Infrastruktur sei marode, ist das abstrakt. Konkret heißt es: Der Staat erfĂŒllt seine banalste Ausnahme nicht: dass seine BĂŒrger nicht ersaufen."

Und Kersten Augustin fĂŒgt noch eine Frage an, die sich auch viele Menschen stellen, wenn wieder einmal kein Bus kommt oder die Wartezeit fĂŒr einen Termin im BĂŒrgeramt Monate dauert: "Wieso soll man noch Parteien der sogenannten Mitte wĂ€hlen, die Milliarden fĂŒr AufrĂŒstung bereitstellen, aber den eigenen Staat sturmreif schießen?"

Konkurrierende öffentliche GĂŒter oder Mogelpackung?

Wenn nun plötzlich die AufrĂŒstung semantisch zum "öffentlichen Gut Sicherheit" erklĂ€rt wird, konkurrieren plötzlich verschiedene öffentliche GĂŒter miteinander. Börger hat dies im taz-Interview so ausgedrĂŒckt:

"Unsere Methodik kommt aus dem Bereich der Umwelt- und der Gesundheitsökonomik. Wenn es um Klimaschutz geht oder die Verbesserung der LuftqualitĂ€t in StĂ€dten, wird diese Art von Studien sehr routinemĂ€ĂŸig angewendet, es geht dabei um die Bewertung so genannter öffentlicher GĂŒter. Unsere Studie ist, soweit wir das ĂŒberblicken können, die erste, die dieses Konzept auf die Verteidigungspolitik anwendet." (Tobias Börger, taz)

Gleich im Anschluss spitzt er zu:

"Aber es ist sinnvoll, Verteidigungsmaßnahmen als ein öffentliches Gut zu betrachten. Wenn man innerhalb der deutschen Grenzen lebt und es einen gewissen Verteidigungsschutz gibt, dann kommt der allen zugute, die sich hier aufhalten. Die Frage ist dann: Was ist uns das wert? Wir reden gerade wegen des Regierungsentwurfs fĂŒr den Haushalt viel ĂŒber die Kosten. Aber aus einer Wohlfahrtsperspektive muss man auch erkennen, dass die Ausgaben einen Nutzen produzieren. Und um die Quantifizierung dieses Nutzens geht es." (Tobias Börger, taz)

Spannende Forschungsfrage

Auf die Frage, ob es nicht Konflikte zwischen den öffentlichen GĂŒtern und Verteidigung gibt, antwortet Börger:

"Diese Überlegungen gibt es auf jeden Fall, und das ist auch eine absolut spannende Forschungsfrage. Methodisch wĂŒrde man hier versuchen, PrĂ€ferenzen der Bevölkerung fĂŒr die einzelnen Budgetposten im Haushalt zu erfahren. / Dann kann man diese Zielkonflikte betrachten, die es natĂŒrlich gibt: Wenn also ein Verteidigungshaushalt steigen soll, dann muss vielleicht ein Sozialhaushalt dementsprechend kleiner ausfallen. Meines Wissens gibt es Fragestellungen wie diese in der Literatur bereits schon, und wir im Team ĂŒberlegen, ob wir das in Zukunft auch nochmal erforschen." (Tobias Börger, taz)

Hier wird deutlich, dass die Studie ein Teil der BemĂŒhungen der ideologischen Staatsapparate ist, fĂŒr die AufrĂŒstung den GĂŒrtel enger zu schnallen und weiter Verzicht zu ĂŒben. Das kann auch in den knappen Slogan "Kanonen statt Butter" zusammengefasst werden. Wenn nun Militarismus zum öffentlichen Gut erklĂ€rt wird, soll diese Verzichtspolitik fĂŒr die Betroffenen akzeptabler gemacht werden.

Wenn eine linke Zeitung RĂŒstungsmanager lobt

Wie schnell auch manche Linke die Militarisierung der Gesellschaft mitmachen, zeigt ein PortrÀt des Rheinmetall-Vorsitzenden Armin Papperger in der einst deutschlandkritischen Wochenzeitung Jungle World.

Dort wird nicht nur völlig ohne Fragezeichen die dubiose Geheimdienstmeldung ĂŒber einen angeblichen von Russland geplanten Anschlag auf den RĂŒstungsprofiteur wiedergegeben, sondern dies wird dann auch noch mit einer antimilitaristischen Aktion gegen den Konzern Rheinmetall vermengt.

Am Ende heißt es ĂŒber den RĂŒstungsmanager: "Ein ‚Herzensanliegen‘ hatte Pappberger die ‚wirkungsvolle und verlĂ€ssliche UnterstĂŒtzung‘ der Ukraine im Juni genannt, diese Zusammenarbeit wolle er noch vertiefen.". Ein solcher Satz ist 2024 in einer einst deutschlandkritischen Zeitung nicht etwa als Kritik, sondern als Lob gemeint.

Hier zeigt sich, wie der ideologische Kampf fĂŒr den deutschen Militarismus FrĂŒchte trĂ€gt.

Keinen Menschen und keinen Cent

Da ist es tatsÀchlich ein gutes Zeichen, wenn Menschen noch gegen Pistorius, Rheinmetall und Co. protestieren und die Kernfrage der Studie "Was ist Dir die nationale Sicherheit wert?" mit einem aktualisierten Satz von August Bebel beantworten: "Keinen Menschen und keinen Cent".


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Vgl. auch:
> "Ukrainekrieg" an der Heimatfront
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> Ukraine-"SolidaritÀt": Keine/r soll hungern, ohne zu frieren
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#SogAntideutsche
NEUER BEITRAG03.07.2025, 14:53 Uhr
Nutzer / in
arktika

Militarismus als "öffentliches Gut" Ein knappes Jahr spĂ€ter: Die sog. „Phase zwei der Zeitenwende“ soll durchgeprĂŒgelt werden, unter dem LĂŒgenmotto „Wir sind im Krieg mit Russland.“ MilitĂ€rausgaben und -aufgaben hoch, Militarisierung der Gesellschaft, Sozialausgaben runter (ist ja schließlich nicht unendlich Geld da zum Verteilen) sowie Menschenrechte + "Demokratie" - was ist das eigentlich?, also "expendable"!

Zu einigen dieser Aspekte + zum FĂŒhrungsanspruch der BRD steht am 26. Juni diesen Jahres ein wichtiger Artikel auf gfp:

„Phase zwei der Zeitenwende“

NATO legt FĂŒnf-Prozent-Ziel fest. Bundesregierung will deutschen MilitĂ€rhaushalt von 52 Milliarden Euro (2024) auf 153 Milliarden Euro (2029) verdreifachen. Außenpolitikexperte behauptet: „Wir sind im Krieg mit Russland.“


DEN HAAG/BERLIN (Eigener Bericht) – Die NATO wird sich bei der AufrĂŒstung weltweit an die Spitze setzen und ihre globale FĂŒhrungsstellung in puncto Militarisierung noch weiter ausbauen. Dies ist eine zentrale Folge des Beschlusses des NATO-Gipfels am gestrigen Mittwoch in Den Haag, die MilitĂ€rausgaben der Mitgliedstaaten ab 2035 verpflichtend auf fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) festzulegen – 3,5 Prozent fĂŒr den direkten, 1,5 Prozent fĂŒr den indirekten militĂ€rischen Bedarf, insbesondere Infrastruktur. Bereits heute entfallen 55 Prozent aller MilitĂ€rausgaben weltweit auf die NATO. Nur recht wenige Staaten geben mehr als 3,5 Prozent fĂŒr ihre StreitkrĂ€fte aus, darunter etwa Israel (8,8 Prozent) und Saudi-Arabien (7,3 Prozent). Die Bundesregierung will den MilitĂ€rhaushalt von rund 52 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf fast 153 Milliarden Euro im Jahr 2029 verdreifachen. Dies geht mit einer Neuverschuldung her, die 2029 mehr als vier Prozent des BIP erreichen dĂŒrfte. Zur BegrĂŒndung erklĂ€rte Bundeskanzler Friedrich Merz am Mittwoch, Russland bedrohe „den gesamten Frieden“ in Europa. Ein Außenpolitikexperte behauptet: „Wir sind schon im Krieg mit Russland“ – in einem „hybriden Krieg“.


Fast RĂŒstungsweltmeister

Mit ihrem Beschluss, in Zukunft Mittel in Höhe von fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fĂŒr militĂ€rische Belange auszugeben – Gelder in Höhe von 3,5 Prozent unmittelbar fĂŒr die StreitkrĂ€fte –, setzt sich die NATO in Sachen Militarisierung weltweit an die Spitze. Laut Angaben des Stockholmer Forschungsinstituts SIPRI gibt es unter den 40 LĂ€ndern mit den höchsten MilitĂ€rausgaben in absoluten Zahlen nur sehr wenige Staaten, die einen höheren Anteil an ihrer Wirtschaftsleistung in ihr MilitĂ€r stecken. Außer Russland (7,1 Prozent) und der Ukraine (34 Prozent), die kriegsbedingt drastisch erhöhte MilitĂ€rausgaben tĂ€tigen, lagen laut SIPRI im Jahr 2024 nur Israel (8,8 Prozent), Algerien (8 Prozent), Saudi-Arabien (7,3 Prozent) und Kuwait (4,8 Prozent) oberhalb eines BIP-Anteils von 3,5 Prozent. Alle anderen von SIPRI analysierten Nicht-NATO-Staaten gaben meist deutlich weniger als 3,5 Prozent ihres BIP fĂŒr ihre StreitkrĂ€fte aus. Der weltweite Durchschnitt lag laut SIPRI bei 2,5 Prozent. China, das im Westen gern wegen vermeintlich exzessiver MilitĂ€rausgaben angeprangert wird, wandte im Jahr 2024 Mittel in Höhe von 1,7 Prozent seines BIP (SIPRI-SchĂ€tzung) fĂŒr seine Armee auf. Im vergangenen Jahr standen die NATO-Staaten mit rund 1,5 Billionen US-Dollar fĂŒr 55 Prozent aller globalen MilitĂ€rausgaben.[1] Ihr Anteil wird weiter wachsen.

Ein Drittel des Bundeshaushalts

Die Bundesregierung will nach ihren jĂŒngsten PlĂ€nen den Anteil des Wehretats am BIP so schnell steigern wie kaum ein anderes Land – erheblich schneller als zunĂ€chst geplant. Hatte es zunĂ€chst geheißen, Berlin wolle seine MilitĂ€rausgaben einschließlich aller Aufwendungen jenseits des regulĂ€ren Bundeswehrhaushalts („Sondervermögen“) von 2,1 Prozent im Jahr 2025 in jĂ€hrlichen SprĂŒngen von 0,2 Prozentpunkten auf 3,5 Prozent im Jahr 2032 steigern [2], so soll der 3,5-Prozent-Anteil laut Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nun schon im Jahr 2029 erreicht werden. Hatte das deutsche Wehrbudget im vergangenen Jahr ein Volumen von knapp 52 Milliarden Euro, so soll es dieses Jahr 62,4 Milliarden Euro erreichen und dann innerhalb von nur vier Jahren auf 152,8 Milliarden Euro in die Höhe schnellen.[3] Der Betrag entspricht einem knappen Drittel des Bundeshaushalts 2024. Hinzu kĂ€men gut 70 Milliarden Euro fĂŒr militĂ€risch benötigte Infrastruktur sowie weiteren militĂ€rischen Bedarf, darunter etwa Munitions- und Treibstofflager, Bunker oder die Spionageabwehr.[4] Bereits in diesem Jahr will die Bundesregierung, um die AufrĂŒstung und einige weitere Investitionen zu finanzieren, Neuschulden in Höhe von 143,1 Milliarden Euro aufnehmen – fast 3,3 Prozent des BIP.[5] 2029 könnte die Neuverschuldung einen Wert von ĂŒber 4 Prozent des BIP erreichen.

„Mit Russland im Krieg“

Zur BegrĂŒndung fĂŒr die beispiellose AufrĂŒstung heißt es seit geraumer Zeit, Russland könne schon in wenigen Jahren in der Lage und womöglich auch bereit sein, europĂ€ische NATO-Staaten anzugreifen. „Putins Kriegswirtschaft arbeitet auf einen weiteren Konflikt zu“, behauptete Verteidigungsminister Boris Pistorius bereits im Juni 2024 und verlangte: „Wir mĂŒssen bis 2029 kriegstĂŒchtig sein.“[6] Seine Forderung wird seither regelmĂ€ĂŸig wiederholt und von Berliner MilitĂ€rs und Geheimdienstlern bestĂ€tigt. Bundeskanzler Friedrich Merz erklĂ€rte am Dienstag vor dem Bundestag, Russland bedrohe „die Sicherheit und die Freiheit des gesamten euroatlantischen Raums aktiv und aggressiv“: Man mĂŒsse „befĂŒrchten ..., dass Russland den Krieg ĂŒber die Ukraine hinaus fortsetzen wird“.[7] Am gestrigen Mittwoch Ă€ußerte er am Rande des NATO-Gipfels in Den Haag, Moskau bedrohe „den gesamten Frieden, die gesamte politische Ordnung unseres Kontinents“.[8] Experten gehen zuweilen noch weiter. „Wir mĂŒssen uns ĂŒber eins klar sein: Wir sind schon im Krieg mit Russland“, behauptete am Dienstag Stephan Bierling, Professor fĂŒr Internationale Politik an der UniversitĂ€t Regensburg.[9] Bierling relativierte zwar, es gehe um einen „hybride[n] Krieg“, fuhr aber fort, es handle sich um „die erste Stufe eines unerklĂ€rten Krieges, den Putin gegen uns im Westen und damit auch gegen die NATO fĂŒhrt.“

„Keine Großmacht mehr“

Die Behauptung, die europĂ€ischen NATO-Staaten drohten von Russland angegriffen zu werden, konstrastiert eigentĂŒmlich mit Äußerungen diverser fĂŒhrender Politiker, die jenseits einer großen Medienöffentlichkeit getĂ€tigt werden – in Kontexten abseits des Werbens fĂŒr eine drastische AufrĂŒstung. So Ă€ußerte etwa Finnlands PrĂ€sident Alexander Stubb Mitte Mai auf einer außenpolitischen Fachkonferenz in Estlands Hauptstadt Tallinn, er habe kĂŒrzlich im GesprĂ€ch mit US-PrĂ€sident Donald Trump darauf hingewiesen, dass Russland „keine Großmacht“ mehr sei, jedenfalls „nicht ökonomisch“; seine Wirtschaftsleistung sei geringer als diejenige Italiens „und nur wenig grĂ¶ĂŸer“ als diejenige Spaniens.[10] MilitĂ€risch komme es in der Ukraine nur sehr langsam voran; es könne nicht mehr „als Großmacht angesehen werden“. Polens Außenminister RadosƂaw Sikorski konstatierte auf derselben Konferenz, rĂŒste die NATO wie geplant auf, dann gĂ€ben allein die NATO-Staaten Europas „im Friedensmodus zweieinhalb Mal mehr“ fĂŒr ihr MilitĂ€r aus „als Russland im Kriegsmodus“. Selbst Außenminister Johann Wadephul rĂ€umte kĂŒrzlich ein, Russlands „Kriegsmaschinerie“ dĂŒrfe man nicht ĂŒberschĂ€tzen: „Immerhin versucht sie seit drei Jahren, ein Ziel zu erreichen, welches Putin innerhalb nur weniger Tage erreichen wollte“.[11] Sie komme immer noch kaum voran.


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NEUER BEITRAG03.07.2025, 15:01 Uhr
EDIT: arktika
03.07.2025, 15:14 Uhr
Nutzer / in
arktika

Militarismus als "öffentliches Gut" >>>>>

„Bereit zu fĂŒhren“

UnabhĂ€ngig davon ermöglicht es die beispiellose AufrĂŒstung der NATO, Russland in ein WettrĂŒsten zu zwingen, das es aufgrund seiner deutlich geringeren ökonomischen Ressourcen nicht gewinnen kann. Zugleich eröffnet sie Deutschland die Chance, die Bundeswehr „zur stĂ€rksten konventionellen Armee Europas“ zu machen, wie es Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag zum wiederholten Mal bekrĂ€ftigte.[12] Denn wĂ€hrend die Bundesregierung dank des erheblich niedrigeren deutschen Schuldenstandes im großen Stil Kredite aufnehmen kann, um umfassend hochzurĂŒsten, ist dies Frankreich, Italien und Großbritannien – den unmittelbarsten militĂ€rischen Konkurrenten der Bundesrepublik in Europa – wegen ihrer viel höheren Schulden nicht möglich. Man werde „sehr hart“ daran arbeiten, „dass Deutschland zu seiner StĂ€rke zurĂŒckfindet“, kĂŒndigte Merz am Dienstag an. Außenminister Wadephul hatte kurz zuvor mit Blick auf das FĂŒnf-Prozent-Ziel der NATO erklĂ€rt: „Deutschland muss ein Vorbild sein, wir mĂŒssen bereit sein zu fĂŒhren.“ Man werde kĂŒnftig „noch viel mehr ĂŒber unsere Sicherheit reden“.[13] „Ein großes Invetitionsprogramm in unsere Verteidigung“ sei ebenso unverzichtbar wie „mehr Personal in der Bundeswehr“ oder „eine deutliche StĂ€rkung des Zivilschutzes“. Wadephul kĂŒndigte an: „Jetzt beginnt Phase zwei der Zeitenwende.“


[1] Trends in World Military Expenditure, 2024. SIPRI Fact Sheet. Solna, April 2025.
[2] S. dazu Das grĂ¶ĂŸte AufrĂŒstungsprogramm.
[3] Klingbeil plant 143 Milliarden neue Schulden. Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.06.2025.
[4] Klingbeil will NATO-Ziel schon 2029 erreichen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 25.06.2025.
[5] Manfred SchÀfers: 143 Milliarden Euro neue Schulden. Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.06.2025.
[6] Rede des Bundesministers der Verteidigung, Boris Pistorius, eingangs der Befragung der Bundesregierung vor dem Deutschen Bundestag am 5. Juni 2024 in Berlin.
[7] RegierungserklĂ€rung von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Nato-Gipfel am 24. und 25. Juni in Den Haag und zum EuropĂ€ischen Rat am 26. und 27. Juni 2025 in BrĂŒssel vor dem Deutschen Bundestag am 24. Juni 2025 in Berlin.
[8] Merz sieht „gesamte politische Ordnung“ Europas durch Russland bedroht. zeit.de 25.06.2025.
[9] „Die Nato ist schon im Krieg mit Russland“. t-online.de 24.06.2025.
[10] Patrick Wintour: Donald Trump is losing patience with Russia, says Finnish leader. theguardian.com 18.05.2025. S. auch Verhandlungen in Istanbul.
[11] „Das war von Anfang an klar“, sagt Wadephul zur Frage, wie der Krieg enden werde. welt.de 30.05.2025.
[12] RegierungserklĂ€rung von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Nato-Gipfel am 24. und 25. Juni in Den Haag und zum EuropĂ€ischen Rat am 26. und 27. Juni 2025 in BrĂŒssel vor dem Deutschen Bundestag am 24. Juni 2025 in Berlin.
[13] Christoph Schult, Severin Weiland: „Jetzt beginnt Phase zwei der Zeitenwende“. spiegel.de 20.06.2025.


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#Zeitenwende
#Militarisierunt
#Russland
#NATO
#BRD
#Militaerhaushalt
#kriegsgeil

vgl. zu diesem Thema auch den Thread '...kĂŒnftig öfter und entschiedener fĂŒhren mĂŒssen.', auch in diesem Forum, aber im Unterforum "Der Hauptfeind" unter Link ...jetzt anmelden!
NEUER BEITRAG30.10.2025, 18:56 Uhr
EDIT: arktika
30.10.2025, 19:03 Uhr
Nutzer / in
arktika

Militarismus als "öffentliches Gut" "Wadephul kĂŒndigte an: „Jetzt beginnt Phase zwei der Zeitenwende.“"

Dazu gehört dann auch der verstĂ€rkte Kampf - pardon, "Einsatz" ist wohl besser und vor allem freundlicher klingend ...-, also 'Einsatz' an der Heimatfront, und ein niedrigschwelliges, sanftes Mittelchen scheint dafĂŒr auch die Verniedlichung des MilitĂ€rischen zu sein. Der Kuschelfaktor von militĂ€rischem GerĂ€t sollte mehr betont werden, dann klappt 's auch mit dem Nachbarn bzw. mit dem (noch) unwilligen Volk. Nein, noch sind es - oder hĂ€tte ich da was verpaßt??? - keine flauschigen natofarbigen TeddybĂ€ren fĂŒr die Kleinsten (die sollen ja in Schule und Kita bald direkt indoktriniert werden), nein, an die etwas Älteren soll auch gedacht werden. Und was machen Papi und Mami am liebsten? Genau: schick essen gehen (und Omi&Opi? Kaffee trinken gehen) Und ihre Blagen lieben Tiere und Action. Also?!

Armeescheiß in die Freizeitparks, damit erreicht man ALLE, der Rest darf dann auch wegbleiben oder wenigstens weggucken. Noch!

Frohe Nachricht im Online Extra der jW vom 29. Oktober:

Bundeswehr-Airbus im Serengeti-Park angekommen

Hodenhagen. Ein ausrangierter Bundeswehr-Airbus ist am Mittwoch mithilfe eines Schwerlasttransporters im Serengeti-Park angekommen. Die finale, rund zehn Kilometer lange Strecke bis zum Park im Heidekreis sei ohne grĂ¶ĂŸere ZwischenfĂ€lle verlaufen, teilte eine Sprecherin des Serengeti-Parks mit. Über insgesamt drei NĂ€chte wurde der A310 vom TruppenĂŒbungsplatz Lohheide zum Safaripark in der SĂŒdheide gebracht, wobei Umweltauflagen gemĂ€ĂŸ an hunderten BĂ€umen Äste hochgebunden werden mussten. Um seine ÜberfĂŒhrung durch ein Naturschutzgebiet hatte es jahrelang Streit gegeben. Wegen eines neuen Verfahrens zum Tieferlegen des Rumpfes erlaubte die Region Hannover das Vorhaben schließlich. Bis zum SpĂ€tsommer 2026 soll aus dem Flugzeug ein Restaurant mit etwa 200 SitzplĂ€tzen werden.
(dpa/jW)
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Guten Appetit!

Andererseits: Seit vielen Jahren schon gibt es in einem Panzermuseum in DĂ€nemark (auf Sjaelland) - wo finanziell sehr gut ausgestattete Personen sogar selber einen echten Panzer fahren dĂŒrfen - ein CafĂ©/Bistro mit dem schönen Namen "Zur Bombe" (Wahrzeichen eine ganz normale Bombe, die da in der Gaststube hĂ€ngt). Und da stört sich auch keiner dran ...
JPEG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! cafebomben.jpeg
NEUER BEITRAG30.10.2025, 21:27 Uhr
EDIT: FPeregrin
30.10.2025, 21:30 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

FN ad DK: Im Fall von DĂ€nemark muß man unbedingt zur Kenntnis nehmen, daß dergleichen auf eine "demokratische" Ideologie der #Vaterlandsverteidigung aufsetzt. Die "demokratische" Unterlage wird ganz schnell ein Podest fĂŒr imperialistische Kriegsprojekte, wenn man die klassenmĂ€ĂŸige Basis nicht versteht, nicht verstehen will oder aktiv verschleiert. Auch der NATO-Eintritt von Schweden und Finnland ist so ideologisch vorbereitet worden.
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